Ausstellungseröffnung „70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ – ein Rückblick

In Zusammenarbeit mit Amnesty International

Ausstellungseröffnung (c) Ingeborg Heck-Böckler
Ausstellungseröffnung
Datum:
Fr 30. Okt 2020
Von:
Laura Büttgen

Am 10. Dezember 1948 verkündete Eleanor Roosevelt die „Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“ innerhalb der Generalversammlung der Vereinten Nationen im Pariser Palais de Chaillot. 30 Artikel, die das Bild einer Welt skizzieren, in der alle frei und friedlich miteinander leben können. Die Erklärung war revolutionär, weil sie erstmals allen Menschen auf der Erde die gleichen Rechte garantierte.

Ausstellung (c) Ingeborg Heck-Böckler
Ausstellung

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte gilt seitdem als Grundlage der modernen Menschenrechtsgesetzgebung und wird in der internationalen Staatengemeinschaft ohne Ausnahme anerkannt. Zwei Jahre später im Jahr 1950 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 10. Dezember als Tag der Menschenrechte ausgerufen. Mit diesem Schritt wollte sie die Aufmerksamkeit "der Völker der Welt" auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als das zu erreichende gemeinsame Ziel für alle Völker und Nationen zu richten. Zuvor musste sich noch niemand an die Vorlagen halten, da es keine Verträge oder andere Absicherungen gab. Erst am 19. Dezember 1966 wurden der UN-Zivil- und der UN-Sozialpakt verabschiedet und in Kraft gesetzt, die den Menschenrechten gemeinsam mit der Allgemeinen Erklärung eine international geltende rechtliche Form gaben.

Besucherin der Ausstellung (c) Ingeborg Heck-Böckler
Besucherin der Ausstellung

Menschenrechte stehen allen Menschen zu, allein aufgrund der Tatsache, dass der Mensch Mensch ist, unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion oder Alter.

Die Erklärung geht vom Grundsatz der angeborenen Würde jedes Menschen aus. Anspruch auf diese Rechte haben alle Individuen, „ohne Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Überzeugung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand“. Die Erklärung hat zwar nicht die rechtsverbindliche Kraft eines Vertrages, aber sie gilt für viele bereits als Völkergewohnheitsrecht.

Begrüßung (c) Ingeborg Heck-Böckler
Begrüßung

Jedoch sind Menschenrechte auch im 21. Jahrhundert kein selbstverständliches Gut. Sie werden weiterhin auch missachtet, sowohl von einzelnen als auch von Gruppen und von Staaten. Auch heutzutage, 72 Jahre nach der Verabschiedung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte sind sie weit davon entfernt, von allen Ländern, die die Erklärung unterzeichnet haben, eingehalten zu werden.

Um diese Menschenrechte zu würdigen, ihren langen Weg zur Entstehung ins Gedächtnis zu rufen und an die Verwirklichung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zu erinnern, präsentiert die Bischöfliche Akademie die Ausstellung 70 Jahre Allgemeine Erklärung der Menschenrechte“. In Ihrer Begrüßung hat Frau Dr. Christiane Bongartz, Akademiedirektorin, die Genese sowie die Bedeutung der Menschenrechte hervorgehoben und sie im Kontext der katholischen Kirche reflektiert.

Frau Ingeborg Heck-Böckler (c) Laura Büttgen
Frau Ingeborg Heck-Böckler

Die Ausstellung wurde zusammen mit Amnesty International organisiert, also einer nichtstaatlichen und Non-Profit Organisation, die sich weltweit mit vielen verschiedenen Projekten für Menschenrechte einsetzt. Diese Kooperation begründet sich vor allem darin, da die Forderung nach der Einhaltung und Durchsetzung der Menschenrechte – denkt man nur an die Stichworte Folter, Flüchtlingsschutz, Asylrecht oder Religionsfreiheit oder die Debatte um das Thema sexuelle Gewalt an Frauen - leider nicht an Aktualität verloren hat.

Als Vertretung von Amnesty International hat Frau Ingeborg Heck-Böckler, Vorstandsbeauftragte für Flüchtlingsschutz in NRW und Sprecherin der Fachkommission Asyl, ein Grußwort gehalten. Sie hat dabei gleichzeitig Herrn Stefan Keßler, stellvertretender Direktor des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes Deutschland, vertreten, dessen Anreise aus Berlin aufgrund der steigenden Infektionszahlen und des Ausfalls des im Anschluss stattfindenden „Einführungsseminars Asyl“ nicht mehr verantwortbar war.

In ihrem Grußwort erinnerte sie alle im Saal der Bischöflichen Akademie Anwesenden, dass die Geschichte der Menschenrechte auch eine Geschichte des wiederkehrenden Zorns sei. Denn würden Menschen andere Menschen nicht seit Urzeiten misshandeln und unterdrücken, gäbe es kein Problem. Auf diese Weise würde die Bedeutung universeller Rechte vor allem dort deutlich, wo Ungerechtigkeiten besonders groß sind.

Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten noch bis zum 20. November 2020 kostenfrei in der Bischöflichen Akademie besucht werden.

Nachtrag vom 02.11.2020: Aufgrund der neuen Coronaschutzverordnung des Landes NRW musste die Ausstellung abgebaut werden.