Der Widerstand gegen die Diktatur braucht Unerschrockenheit und einen langen Atem

Die ZEIT-Redakteurin Alice Bota ist sehr gut mit zivilgesellschaftlichen Akteuren in Belarus vernetzt. In der Bischöflichen Akademie las sie aus ihrem Buch „Die Frauen von Belarus“. (c) Thomas Hohenschue
Die ZEIT-Redakteurin Alice Bota ist sehr gut mit zivilgesellschaftlichen Akteuren in Belarus vernetzt. In der Bischöflichen Akademie las sie aus ihrem Buch „Die Frauen von Belarus“.
Datum:
Fr. 20. Mai 2022
Von:
Thomas Hohenschue

Die ZEIT-Redakteurin Alice Bota las aus ihrem Buch über „die Frauen von Belarus“. Die diesjährige Karlspreisverleihung stärkt der belarussischen Zivilgesellschaft den Rücken

Nach der Lesung gab es noch handschriftliche Signierungen und Widmungen. Das Publikum diskutierte engagiert und interessiert mit der Autorin. (c) Thomas Hohenschue
Nach der Lesung gab es noch handschriftliche Signierungen und Widmungen. Das Publikum diskutierte engagiert und interessiert mit der Autorin.

In wenigen Tagen erhalten Maria Kalesnikava, Swetlana Tichanowskaja und Veronika Tsepkalo den Internationalen Karlspreis zu Aachen. Gewürdigt wird damit ihr mutiger Einsatz für Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit in einer Diktatur, deren Brutalität berüchtigt ist. Unter den heutigen Vorzeichen des Ukraine-Kriegs hat diese Entscheidung des Karlspreisdirektoriums noch einmal an Relevanz gewonnen – die Zukunft Osteuropas liegt in einer beherzten Zivilgesellschaft.

Zu den Expert:innen, die sich in dieser Krisenregion auskennen, gehört die sehr gut vernetzte ZEIT-Redakteurin Alice Bota. Schon im Juli 2021 veröffentlichte sie ein Buch, in dem sie auf Basis von Interviews mit rund 100 Frauen die Ereignisse in Belarus nachzeichnete. Jetzt las sie in Aachen aus diesem Buch, in der Bischöflichen Akademie, und stellte sich den Fragen eines hoch interessierten Publikums. Sie gab dabei bemerkenswerte Einblicke in die belarussische Gesellschaft und schlug Brücken zur aktuellen dramatischen Entwicklung in Russland und der Ukraine.

Belarus sei ein Land, das traditionell stark von Gewalt geprägt sei, von staatlicher Seite aus, aber auch in den privaten Haushalten. Solange das Unrecht verborgen blieb, ertrugen die Betroffenen – meist Frauen – es still und machtlos. Aber der Widerstand gegen die Wahlfälschung habe die grenzenlose Bereitschaft des Regimes, Gewalt gegen Opposition anzuwenden, herausgefordert und sichtbar gemacht. Dass es dem Diktator nicht gelang, die Protestbewegung zu brechen, habe die Zivilgesellschaft verändert, emanzipiert, nachhaltig ermutigt, skizzierte Alice Bota.

Das Beispiel der drei unerschrockenen Frauen inspirierte viele, es ihnen gleichzutun. Sie seien je auf ihre Weise starke Persönlichkeiten, mit je eigenen Zugängen zu ihrem persönlichen Einsatz. Um sie herum sorgten professionelle Stäbe für gut orchestrierte und gut inszenierte Auftritte. Dies folgte der Logik, dass die Weltöffentlichkeit, vor deren Augen das Ganze stattfand, eine starke Verbündete im Kampf gegen die Diktatur ist. Auch der Internationale Karlspreis zu Aachen stärke dem Widerstand den Rücken, ordnete die ZEIT-Journalistin die Bedeutung der Auszeichnung ein. Und das sei wichtig, denn es brauche einen langen Atem und die Situation sei weiter düster.