Dr. Angela Reinders neue Direktorin der Bischöflichen Akademie

Dr. Angela Reinders (c) Anna Wawra Aachen
Dr. Angela Reinders
Datum:
Di. 1. Nov. 2022
Von:
Dr. Angela Reinders

Liebe Interessierte, Freundinnen und Freunde der Akademie,

mit dem 1. November beginne ich als Direktorin und freue mich auf die Aufgabe, die Akademie weiter in die Zukunft zu führen und dabei mit Ihnen viele gemeinsame große und kleine Lernschritte zu gehen.
 
Kurz zu meiner Biografie: Ich bin 1965 in Aachen geboren und aufgewachsen, habe das St.-Ursula-Gymnasium besucht, in Bonn Katholische Theologie studiert, meine Diplomarbeit in Alter Kirchengeschichte und christlicher Archäologie hat sich Tongern und Maastricht gewidmet. Später wurde ich in Münster promoviert mit dem Dissertationsthema „Zugänge und Analysen zur religiösen Dimension des Cyberspace“. Nach einem journalistischen Volontariat war ich in einem Verlag als Redakteurin, Lektorin und Produktmanagerin tätig, habe 2016 ins Bistum Aachen gewechselt und war dort zunächst Referentin für die Fortbildung des pastoralen Personals und leitete zuletzt ab 2020 die Abteilung Personalentwicklung. Ich bin verheiratet und Mutter dreier erwachsener Töchter.
 
Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Akademie haben mir Fragen gestellt, um mich schon ein wenig besser kennenzulernen. Wenn Sie mögen, lesen Sie meine Antworten mit und erfahren so auch etwas mehr über mich.
 
Auf baldige persönliche Begegnung, mit guten Grüßen
 
Dr. Angela Reinders.
 
 
Worauf freuen Sie sich, wenn Sie im November in der Akademie starten?
Auf die Menschen, die dort arbeiten oder zu Gast sind, und darauf, gemeinsam Themen aus der Theologie, der Kirche, des sozialen Miteinanders aufzuspüren und in ein Gespräch darüber zu kommen. Auch auf den Ausblick aus dem neuen Bürofenster in den Garten der Akademie.
 
Lesen Sie gern und haben Sie auch einen Bezug zu Gedichten?
Ich lese sehr gern, meist einen Roman und ein Sachbuch parallel, im Moment „Offene See“ von Benjamin Myers und „Extreme Ownership“ von Jocko Willink und Leif Babin. Wenn wir von Gedichten sprechen: Poetry Slam finde ich eine attraktive neue Form. Vor mehreren Jahren ist ein Gedichtband aus meiner Feder im Einhard Verlag erschienen.
 
Mögen Sie andere Sprachen und wenn ja, welche am liebsten? Welche sprechen Sie selbst?
Ich höre mich immer gern ein, wenn Menschen in meiner Umgebung eine andere Sprache sprechen. Englisch spreche ich ziemlich fließend. Das hatte ich in der Schule als Leistungskurs ebenso wie Latein, das spricht man ja nun weniger. In der Schule hatte ich auch Spanisch. Als ich meine Diplomarbeit schrieb, musste ich viel auf Französisch, Flämisch und Niederländisch lesen und kommunizieren. Im Norden der Niederlande wurde ich einmal gefragt, aus welchem Teil Belgiens ich denn käme. Da Menschen aus dem benachbarten Limburg das auch häufig so erleben, werte ich das mal als Lob.
 
Wohin möchten Sie unbedingt reisen? Was ist Ihr Sehnsuchtsort? Wohin träumen Sie sich? Ein besonderer Ausflugsort, Restaurant, Kindheitserinnerungen an einen Urlaubsort?
Seit meiner Geburt folge ich einer Familientradition und fahre mindestens einmal im Jahr auf die Insel Baltrum, dort habe ich meine ersten Schritte gemacht. Ich mag einerseits die Nordsee, die Ruhe, das Raue dieser Natur. Andererseits habe ich viele gute und schon lebenslang tragfähige Freundschaften zu Menschen, die auf der Insel wohnen oder ebenso an ihr hängen und regelmäßig dort sind. Damit verbinde ich viel Sehnsucht, kann aber auch einfach jemanden anrufen, das ist das Schöne. Ein Reiseziel, das ich darüber hinaus noch habe, ist Rwanda. Mein Patenonkel hatte einen guten Freund dort und meine Familie unterstützte über Jahre das Waisenhaus, das er leitete, als gemeinsames Projekt. Das Land hat sich weiterentwickelt und großartige Versöhnungsarbeit geleistet. Das möchte ich gern auch einmal selbst sehen.
 
Haben Sie einen Lieblingsort in Aachen? Vielleicht auch schon in der Akademie?
Manche vermuten jetzt schon richtig, dass ich grundsätzlich gern am Wasser bin. Ich mag den Stauweiher Kupferbach hinter dem Waldstadion und den kleinen Teich im Garten der Akademie. Drinnen finde ich das Café Kreuzgang sehr gemütlich.
 
Wie haben Sie die Akademie bislang als Gast erlebt?
Mit Beginn meiner Tätigkeit im Bistum Aachen als Referentin für die Fortbildung des pastoralen Personals war ich ja von Anfang an häufig in vielen Räumen der gesamten Akademie und fühle mich dort schon ein wenig zu Hause. Das ist sicher auch der Beitrag derjenigen, die im Hintergrund arbeiten, damit die Gäste saubere, gut vorbereitete, sichere und ansprechende Tagungsräume mit erforderlicher Technik und leckeres und abwechslungsreiches Essen bekommen.
 
Sind Sie in Ihrer Freizeit kreativ tätig? Welche Materialien wären besonders attraktiv?
Am kreativsten bin ich mit Stift und Papier bzw. einem Textprogramm, weil ich sehr gern schreibe. Ansonsten kann ich ganz gut mit Stoff und Wolle umgehen, also nähen, stricken oder häkeln. Basteln lässt man mich lieber nichts.
 
Haben Sie Haustiere?
Mein Vater und ich hätten immer gern einen Hund gehabt, aber das muss eine gemeinsame Entscheidung sein, ohne dass meine Schwester und meine Mutter das auch gewünscht hätten, wäre das nicht gegangen. Als doppelt Berufstätige mit drei Kindern haben mein Mann und ich es für keine gute Idee gehalten, ein Hund braucht einfach mehr Zeit. Manchmal leihe ich mir daher Hunde zum Spazierengehen aus und springe da schon einmal ein, wenn das jemanden aus meiner Umgebung entlastet. Also: eigentlich nein. Wenn sie allerdings unsere Nachbarskatze mal treffen, dann könnte es sein, dass sie Ihnen eine etwas andere Antwort gibt.
 
Wo nehmen Sie Ihre gute Laune her? 
Mir ist viel Zuversicht in die Wiege gelegt und vertieft worden durch Eltern und andere Bezugspersonen, die sich mit dem, was in ihrem Leben schwer war und ist, bewusst auseinandergesetzt und das mit mir offen besprochen haben. Das stärkt mich und das Zutrauen ins Leben.
 
Über was können Sie sich richtig ärgern?
Über Ungerechtigkeit, besonders, wenn sie klein scheint, aber für eine Person riesige Bedeutung hat, weil sie ihr etwas von ihrer Würde nimmt.
 
Ich habe gehört, dass Sie in einem Chor singen – ich ebenfalls. Daher interessiert mich Ihr Lieblings-Chorstück. 
Das hängt immer auch von der Stimmung ab. Felix Mendelssohn Bartholdy hat viele Chorsätze komponiert, die ich gern singe, aber „Denn er hat seinen Engeln befohlen“ haben wir einmal durchs Telefon einem unserer Bässe ins Krankenhaus gesungen, als er schwer krank war, daher liegt mir dieses Stück mehr am Herzen als die anderen. Die Altstimme des „Ave verum“ von Mozart mag ich besonders. Als einen aktuelleren Komponisten singe ich gern die Werke von John Rutter mit. Von John Dowland gibt es mit „Come again“ ein wunderbares Liebeslied. Damit unser Chor es auch einmal genauso wie die anderen Stücke im Gottesdienst singen kann, habe ich dazu einen österlichen Text auf Deutsch verfasst, wir singen darin jetzt als „Ohne ihn“ von der Erfahrung der ersten Frauen am Grab Jesu.
 
Was reizt Sie besonders an Ihrer neuen Aufgabe? 
Die Haltung aus dem christlichen Glauben heraus ist ein tragfähiges Fundament, um Raum für Dialog zu öffnen, sich auszutauschen und gemeinsam Antworten zu suchen. Dass die Akademie das erkennbar und mit guter Vernetzung weit in die Gesellschaft hinein ausstrahlt, das möchte ich gern vorantreiben.
 
Wo sehen Sie die Kirche in fünf Jahren?
Fünf Jahre sind keine lange Zeitspanne. Beide großen christlichen Kirchen werden etwas ärmer sein und spürbar weniger Mitglieder haben, was bedeutet, dass diejenigen, die bleiben, sich mehr erklären müssen. Hoffentlich bleiben viele, die dann überzeugen können. Die katholische Kirche wird nach den synodalen Prozessen auf den verschiedenen Ebenen deutlich an der Entscheidung stehen, auf welcher Seite der Waage sich die Schale senkt: Geht es auf der einen Seite um das verkrampfte Festhalten an der Gestalt der Kirche, wie sie sich in ihren Hoch-Zeiten entwickelt hat, oder bekommt auf der anderen Seite der Wille mehr Gewicht, sie mit einem gemeinsamen Blick nach vorn so zu gestalten, wie sie eine Zukunft haben kann in und mit der Welt, die sie umgibt, wenn auch in einer gesunden Distanz zu ihr? Zwischen diesen beiden Seiten der Waage, fürchte ich, wird das Konfliktpotenzial gewachsen sein. Es ist jetzt schon wichtig, die Formen und Erscheinungsweisen der Kirche zu stärken, in der sie sich mehr dem Auftrag Jesu für die Welt widmet als der ständigen Beschäftigung mit sich selbst.
 
Was ist das Wichtigste in der Arbeit einer Akademie (das richtige Thema, der Mensch, die akademische Aufarbeitung von Themen)?
Die Fragestellung zeigt schon: Das Wichtigste in der Arbeit einer Akademie ist, nie an einen Punkt zu kommen, wo man die Menschen, ihre Themen und deren Bearbeitung isoliert voneinander betrachtet. Darum ist es wichtig, den Menschen zuzuhören, die Themen in ihrer Weite und ihren facettenreichen Bezügen wahrzunehmen und fachkundig Raum für die Bearbeitung zur Verfügung zu stellen, und nichts davon ohne das andere zu tun. In der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen leitet dabei der Kompass aus dem Prozess „Heute bei dir“, in aller Freiheit durch Begegnung der Menschen untereinander zu „ermöglichen …, dass Menschen durch die Begegnung mit Jesus Christus Ankerpunkte in ihrer Sinnsuche und ihrem Streben nach einem gelingenden Leben finden können“.
 
Welche Herausforderungen sehen Sie für die Akademie in den kommenden Jahren? Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
Die Stimmung in der Gesellschaft ist gegenüber der Kirche nicht immer wohlwollend, durch Corona und soziales Auseinanderdriften sinkt die Bereitschaft, dass Menschen sich auf eine andere Meinung oder Position einlassen, zuhören und sich konstruktiv weiterentwickeln. Ich habe das Ziel, dass es uns als Akademie gelingt, spürbar lebensrelevante Themen als Impulse in eine Umgebung zu setzen, damit Menschen so miteinander ins Gespräch kommen, dass es das soziale Klima verbessert und damit auch vom Evangelium erzählt.