„In der Krise beweist sich der Charakter“

Ein Interview mit Herrn Dominik Hahnen, stellvertretender Leiter des Malteser Bildungszentrums Euregio

Dominik Hahnen beim Unterrichten (c) Dominik Hahnen
Dominik Hahnen beim Unterrichten
Datum:
Do 16. Apr 2020
Von:
Laura Büttgen

Wir fragen Menschen aus dem Bistum Aachen, die mit der Bischöflichen Akademie in Verbindung stehen, wie sie mit der Corona-Krise umgehen. Vor welchen Herausforderungen stehen sie? Und wie wollen sie diese bewältigen?

Dominik Hahnen (c) Dominik Hahnen
Dominik Hahnen

Herr Dominik Hahnen ist stellvertretender Leiter des Malteser Bildungszentrums Euregio, pädagogischer Leiter und Schulleiter der Standorte Krefeld und Erkelenz. Er hat ein Studium der Medizinpädagogik (M. Ed.) absolviert, ist seit 2006 im Rettungsdienst tätig und seit 2009 Dozent in der rettungsdienstlichen Aus- und Fortbildung.

 

 

Wie wirkt sich die Corona-Krise auf Ihre alltägliche Arbeit aus? Was bedeutet Corona für die Ausbildung zum Rettungssanitäter?

Herr Hahnen: Zur Zeit liegen alle aktuellen Projekte auf Eis, denn uns geht es zunächst einmal darum, mit der weitgehenden Einstellung des Schulbetriebs seit Mitte März, die Situation zu bewältigen. Uns ist es wichtig, die Ausbildung unserer Schülerinnen und Schüler weiterhin gewährleisten zu können. Dies erfordert die Umstrukturierung der Kurse, sodass es zu keiner Verlängerung der Ausbildungszeit kommt. Zur Zeit setzen wir vermehrt auf E-Learning, da allen Beteiligten viel daran liegt, mit den Schülerinnen und Schülern weiter agieren zu können. Unsere Lehrkräfte versuchen ihren Unterricht aus dem Homeoffice fortzusetzen. Die Schüler hingegen, können sich über den Chat melden und auch im Videochat live Fragen stellen.

 

Die Umstrukturierung der Ausbildung klingt nach einer großen Herausforderung. Wie sind Sie dabei vorgegangen?

Herr Hahnen: Obwohl wir mit der Einführung der dreijährigen Notfallsanitäterausbildung den Unterricht schon sehr stark auf digitale Medien fokussiert haben, war die spontane Umstellung des ganzen Unterrichts auf E-Learning für Lehrkräfte und Schüler sehr anstrengend. Um die Umstellung so gut wie möglich meistern zu können, haben wir den Unterricht in mehrere Intervalle, die aus Präsenz- und Übungsphasen bestehen, gegliedert. Manche Themenbereiche, insbesondere die praktischen Lehr- und Lerneinheiten, lassen sich natürlich kaum oder gar nicht mit E-Learning abbilden. Dies war uns schon vorher bewusst und das wird, wenn der Lehrbetrieb wieder aufgenommen werden kann, nachgeholt. Dennoch geben unsere Lehrkräfte ihr Bestes und sind mit vollem Einsatz dabei. Auch unsere Schülerinnen und Schüler, die bereits mit digitalen Medien aufgewachsen sind, geben uns positive Rückmeldungen.

 

Könnten Sie noch näher ausführen, welche Rolle die digitalen Medien in der Ausbildung zum Rettungssanitäter bisher schon spielten?

Herr Hahnen: In unserer Ausbildung verwenden wir die Lernplattform „ILIAS“, die auf allen internetfähigen Geräten genutzt werden kann und die die Integration eines digitalen Klassenraums ermöglicht. Alle unserer Schülerinnen und Schüler werden zu Beginn der Ausbildung mit Ipads ausgestattet, sodass sie auch ihre Lehrbücher online einsehen können. Davon profitieren sie vor allem beim Wechsel zwischen den verschiedenen Lernorten, wie der Rettungswache, der Klinik oder der Schule. Die Ausbildungsdokumentation wird auch über die Ipads geführt, sodass die sonst üblichen Berichtshefte wegfallen. Die Verwendung digitaler Medien spielt daher in jedem Lehrjahr eine Rolle. Insofern waren die technische Voraussetzungen schon gegeben, um mit dem vollständigen Wechsel auf E-Learning loslegen zu können.

 

Das klingt sowohl nach engagierten Lehrkräften als auch nach fleißigen Schülerinnen und Schülern. In welchen weiteren Bereichen beeinflusst die Coronakrise ihren Arbeitsalltag bei den Maltesern?

Herr Hahnen: Als Malteser Bildungszentrum sind wir ebenso Teil der Malteser in Form der Hilfsorganisation. Uns ist daher auch ein wichtiges Anliegen, unsere Kolleginnen und Kollegen auch praktisch zu unterstützen, zum Beispiel mit Diensten auf den Rettungswagen und durch Unterstützung im operativen Dienst. Außerdem schaffen wirauch zusätzliche Angebote, um den Behörden zur Seite zu stehen und um neue Möglichkeiten zu schaffen, damit wir auf den Fachkräftemangel reagieren können. Im Rettungsdienst bemerke ich daher sowohl eine gesteigerte Leistungsbereitschaft als auch eine größere Dankbarkeit gegenüber allen im Gesundheitswesen Tätigen.

 

Welche Konsequenz leiten Sie aus der Krise ab? Sehen Sie in der Krise auch eine Chance?

Herr Hahnen: Im Bezug auf die Lehre sehen wir in der Krise die Chance, das E-Learning weiter in die Ausbildung zu implementieren. Wir überlegen jetzt schon aktiv, inwiefern E-Learning als individuelle Unterstützung während der Praxisphasen eingesetzt werden kann und welche Formate wir zukünftig digital abbilden wollen und wie wir Ressourcen sparen können. In der Krise merkt man jedoch ganz besonders die Ausrichtung der Malteser als christliche Hilfsorganisation, alle Leute sind bereit mitzuwirken und wollen Bestandteil der Lösung sein. Dies merkt man auf vielen Ebenen: Die Lehrkräfte wachsen über sich hinaus, auf den Rettungswachen gibt es keine Verwehrung gegenüber einiger Dienste und selbst seitens der Führungsebene wird eine noch größere Wertschätzung gegenüber ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entgegengebracht, als es ohnehin schon bei den Maltesern gelebt wird. Kurz gesagt und um Altkanzler Helmut Schmidt zu zitieren: „In der Krise beweist sich der Charakter“. Die derzeitige Corona-Krise hat zur Folge, dass ich und vermutlich alle vom Malteser Hilfsdienst in der Diözese Aachen hoffen, dass die Bedeutung unseres Berufs weiterhin der Bevölkerung im Gedächtnis bleibt und sich nicht direkt nach der Krise verflüchtigt.

 

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen und Ihnen weiterhin alles Gute.

 

Dozentin Dr. Laura Büttgen (c) Laura Büttgen
Dozentin Dr. Laura Büttgen

 

Das Interview führte Frau Dr. Laura Büttgen, Dozentin im Bereich Kultur und Gesellschaft der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen.