Neujahrsempfang

- Eine Nachlese -

Dr. Meron Mendel, Dr. Christane Bongartz, Harald Hüller (v.l.n.r. (c) Thomas Hohenschue
Dr. Meron Mendel, Dr. Christane Bongartz, Harald Hüller (v.l.n.r.
Do 23. Jan 2020
Alexandra Mark-Schwarz

Einen inspirierten, guten, Richtung weisenden und ermutigenden Start ins neue Jahrzehnt: Den haben wir von der Bischöfliche Akademie des Bistums Aachen heute gemeinsam mit vielen Kooperationspartnern und Weggefährten hingelegt. Der Saal war voll, das offizielle Programm hatte es in sich: Neben zwei Ansprachen, die sich um unseren Bildungsauftrag drehten, gab es einen aufrüttelnden Gastvortrag, der deutlich machte: Wir dürfen nicht still bleiben, werden, sein, wenn unsere Gesellschaft in eine gefährliche Melange von Ausgrenzung, Rassismus und Antisemitismus rutscht. Das nehmen wir von dem Tag als deutliche Aufforderung mit - persönlich, als Akademie und als Kirche im Bistum Aachen!

Begrüßung von Akademiedirektorin Dr. Christiane Bongartz

Dr. Christiane Bongartz (c) Thomas Hohenschue
Dr. Christiane Bongartz

Unsere Direktorin Dr. Christiane Bongartz blickte auf ein sehr gutes und arbeitsintensives Jahr 2019 zurück, in dem es unter anderem das Zusammenwachsen von Akademie, Bischof-Hemmerle-Haus und Priesterseminar zu bewältigen galt. Sie bedankte sich für die enge Zusammenarbeit mit dem Bischöflichen Generalvikariat. Drei Linien machte sie im Ausblick auf 2020 stark: Kooperationen und Netzwerke auszubauen. Eine Reihe aufzulegen zur Situation der Kirche, als Inspiration zum Synodalen Weg, Stichwort Menschen- und Freiheitsrechte in der Kirche. Und den Auftrag von Bischof Helmut Dieser umzusetzen, als Bildungseinrichtung dem Antisemitismus entgegenzuwirken, der sich in unserer Gesellschaft wieder stärker artikuliert. Fazit der Direktorin: Es gibt viel zu tun! 

Ansprache von Harald Hüller

Harald Hüller (c) Thomas Hohenschue
Harald Hüller

Harald Hüller bestellte Grüße von Bischof und Generalvikar. Und unterstrich in seiner Rolle als Hauptabteilungsleiter und Mitglied der Lenkungsgruppe, dass kirchliche Bildungsarbeit auch künftig eine zentrale Rolle in der pastoralen Arbeit des Bistums Aachen spielen werde. Die Akademie konkret nannte er einen wichtigen Tagungsort für gesellschaftliche Fragestellungen und einen Ort, an dem die vielen Charismen der Menschen entdeckt und gestärkt werden. Unser Haus leiste gute Arbeit, sei nahe an den Themen der Menschen und an ihrem Leben - genauso, wie es der Prozess "Heute bei dir" wolle. Diese Rückenstärkung hat uns gut getan!

Vortrag von Dr. Meron Mendel

Dr. Meron Mendel (c) Thomas Hohenschue
Dr. Meron Mendel

Dr. Meron Mendel räumte mit dem Klischee auf, dass Deutschland seine Vergangenheit bewältigt habe. Es stimme keinesfalls, dass es eine weltmeisterliche Erinnerungskultur entwickelt habe, die keinen Raum für ein Wiederkehren von Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus lasse. Dass es nicht stimmt, könne man am Erstarken rechtspopulistischer Positionen und Parteien sehen, an wachsender Gewalt, an offenen Übergriffen, am Wiederaufleben antisemitischer Beleidigungen und Verschwörungstheorien. Diese Angriffe von rechts reichten inzwischen in die Mitte der Gesellschaft hinein, warnte Mendel. Die Selbstgewissheit, durch eine Fülle von Ritualen die Erinnerung an die Schrecken des nationalsozialistischen Menschheitsverbrechen wirksam wachzuhalten, gehe fehl. Diese Rituale selbst seien häufig ein Problem, sie entleerten das Gedenken auf Formen, entledigten die Erinnerung der konkreten historischen Fakten. Geschichtsrevisionismus sei auf dem Vormarsch, durch führende Politiker der AfD befeuert. Mendel sah Parallelen zu den 20ern des 20. Jahrhunderts: Binnen weniger Jahre sei die Gesellschaft gekippt, von einer freiheitlichen in eine radikalisierte, autoritäre. Sein Schlusssatz ein durchdringender Appell an uns alle: "Was kann und wird noch passieren, was wir heute für undenkbar halten?"

Gespräche mit Dr. Meron Mendel

2020-01 bak thh Mendel im Gespräch (c) Thomas Hohenschue