Stadtrundgang „Kolonialismus in Aachen“ – ein Rückblick

Beginn des Stadtrundgangs
Beginn des Stadtrundgangs "Kolonialismus in Aachen"
Datum:
Fr 9. Okt 2020
Von:
Laura Büttgen

Am 05.09.2020 hat der Stadtrundgang "Kolonialismus in Aachen. Verbindungen. Verpflechtungen. Nachwirkungen" von Beginn des 16. Jahrhunderts an einen historischen Bogen in die heutige Zeit gespannt und die vielfältigen Aspekte des (post-)kolonialen Aachens aufgezeigt. Wir blicken zurück.

Station vor dem Hauptgebäude der RWTH Aachen (c) Laura Büttgen
Station vor dem Hauptgebäude der RWTH Aachen

Der Tod von George Floyd sowie die „Black-Lives-Matter“-Bewegung in den USA haben weltweit eine Auseinandersetzung mit Diskriminierung, Rassismus und dem kolonialen Erbe beschleunigt. Diese Diskussionen wurden bisher nur marginal medial gespiegelt, da die koloniale Vergangenheit in der öffentlichen Wahrnehmung bisher nur eine untergeordnete Rolle spielte. Ihre Folgen wirken jedoch bis heute nach.

Das deutsche Kaiserreich hat seine Kolonien in den 1880er Jahren angeeignet, musste sie jedoch nach dem Ersten Weltkrieg an die Siegermächte abtreten. Weitere europäische Länder, wie Frankreich, Großbritannien oder die Niederlande hielten teilweise noch bis in die 1960er und 1970er Jahre an ihren Kolonien fest. Die Folgen der kolonialen Bestrebungen sind bis heute erkennbar und stehen in einem engen Zusammenhang mit der Globalisierung. 

Um diese kolonialen Verstrebungen, Verflechtungen und Nachwirkungen in Aachen sichtbar zu machen, hat der Referent Jan Röder, Geschichtswissenschaftler und Sozialpädagoge, den Stadtrundgang „Kolonialismus in Aachen“ am 05. September 2020 mit 23 Teilnehmerinnen und Teilnehmern durchgeführt. Derzeit ist er Mitarbeiter im Bildungsbüro der StädteRegion Aachen im Bereich Bildung und Migration. Darüber hinaus hat er einen Lehrauftrag an der Katholischen Hochschule Aachen zu postkolonialer Bildungsarbeit.

Station vor der Erholungsgesellschaft (c) Laura Büttgen
Station vor der Erholungsgesellschaft

Anhand von sechs Stationen sowie vielfältiger Abbildungen und Dokumenten aus Aachener Archiven hat er eindrucksvoll gezeigt, inwiefern das koloniale Erbe in der Aachener Innenstadt und mittlerweile in den eigenen Lebensräumen Spuren hinterlassen hat.

Dabei wurden einerseits vergessene Orte, Menschen und Ereignisse in Erinnerung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer gerufen, andererseits erstaunliche und unerwartete Zusammenhänge hergestellt, die das Ausmaß der Kolonialzeit in Aachen ansatzweise zu verdeutlichen suchten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer lauschten trotz wechselhaften Wetters und einer zwischenzeitlich heftigen Regenschauer sehr aufmerksam und ausdauernd den Ausführungen von Jan Röder. Sie erfuhren beispielsweise, dass Kolonialismus in Aachen in Verbindungen mit Studierendenprotesten und Wissenschaft, Kolonialtruppen und Kolonialwarenläden, dem Missionsverein und dem Missionsmuseum sowie mit der Deutschen Kolonialgesellschaft und den Aachener Kammer- und Puppenspiele („Öcher Schängche“) gebracht werden kann.

Aufgrund der Vielschichtigkeit und Komplexität des Themas wurde im Anschluss an den Stadtrundgang in der Bischöflichen Akademie ein vertiefendes Seminar angeboten. Dieses hat dabei geholfen, das Gesehene und Gehörte zu reflektieren und tiefgreifendere Grundlagen zu vermitteln. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich über eigene Erfahrungen mit der Thematik auszutauschen.

Der Stadtrundgang „Kolonialismus in Aachen“ wird aufgrund der hohen Nachfrage am 17. April 2021 wiederholt. Unter folgendem Link können Sie sich anmelden:

Link

Außerdem sind für das Jahr 2021 vielfältige weitere Veranstaltungen zum Thema „(Post-)koloniales Aachen“ in Zusammenarbeit mit lokalen Kooperationspartnern in Planung.