Viel Bewegung, aber die Bewährungsprobe steht noch aus

Synodaler Weg - Aufbruch oder Sackgasse (c) Thomas Hohenschuhe
Synodaler Weg - Aufbruch oder Sackgasse
Datum:
Fr. 11. Feb. 2022
Von:
Thomas Hohenschue

 

Die Beratungen im Synodalen Weg reißen manche binnenkirchlichen Barrieren nieder. Am Ende zählt jedoch die verbindliche Umsetzung, hieß es bei einer Podiumsdiskussion in Aachen

 

Der Synodale Weg wirkt, bereits jetzt: Auf diese knappe Formel lässt sich das Fazit eines Abends mit prominenten Wegbegleiter:innen des Aushandlungsprozesses der deutschen Kirche bringen. Birgit Mock, Thomas Schüller und Joachim Frank waren am 9. Februar 2022 zu Gast in der Bischöflichen Akademie Aachen. Rund 100 Menschen verfolgten die Wasserstandsmeldung wenige Tage nach der dritten Synodalversammlung, in kirchenpolitisch aufgewühlten Zeiten.

Bei einer Kirche im freien Fall Kurskorrekturen vorzunehmen, wie nach dem Kölner Journalisten und Publizisten Joachim Frank ein häufig bemühtes Bild lautet, zeigt zweierlei auf: Zum ersten die Dramatik der kirchlichen Situation, die wohl von allen Akteur:innen begriffen ist. Zum zweiten die Grenzen dessen, was erreicht werden kann – denn etwas, was frei fällt, kann man noch weniger gut steuern wie der schwere Tanker, der auf das Riff läuft, ein anderes beliebtes Bild.

So lag es am meinungsstarken Münsteraner Kirchenrechtler Prof. Dr. Thomas Schüller, die Diskussion gleich eingangs zu erden. Die Verwaltungsgerichtsbarkeit komme sicher, ein diskriminierungsarmes kirchliches Arbeitsrecht wahrscheinlich auch – ohne Dazutun des Synodalen Wegs, betont er. Und ansonsten komme es auf den Mut der Bischöfe an, sich in Beschlüssen und deren Umsetzung im Fall des Falles über Rom hinwegzusetzen – also auf gut Deutsch: sich in Ungehorsam zu üben.

Wie stark dieser Mut sein wird, darüber mochte niemand auf dem Podium eine klare Erwartung aussprechen. Was in Worten leicht fällt, vielleicht auch in der Erwartung, dass Rom es wieder einkassiert, dürfte dann, wenn es um Taten geht, wesentlich größere Barrieren bedeuten. Zu prognostizieren, wer diese Nagelprobe bestehen wird, grenze an Kaffeesatzleserei, sagte Frank trotz einiger hoffnungsvoller Kandidaten. Solange das aber nicht klar ist, sollte man verbal abrüsten und nicht zu viel Euphorie angesichts verbaler Fortschritte versprühen, meinte wiederum Schüller.

Diesem Appell mochte Birgit Mock nicht ganz folgen. Sie engagiert sich als Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken stark im Synodalen Weg. Und sie sieht gleich zwei wichtige Effekte dieses strukturierten Prozesses: Erstens einen qualitativen Fortschritt in der Qualität und Verbindlichkeit des binnenkirchlichen Diskurses, der dort gepflegt wird. Zweitens die Dynamiken, die außerhalb des Synodalen Weges losgetreten werden, zuletzt mit #outinchurch.

Da fand die Runde zueinander: Dass jetzt gesagt wird, was lange nicht gesagt wurde, dass jetzt getan wird, was lange nicht getan wurde, mutet gegenüber den lautstarken Rückzugsgefechten der ewig der Tradition verbundenen Gruppen in der Tat neu an. Und es komme jetzt darauf an, einfach weiter die Barrieren einzureißen. Das Kirchenrecht sei immer dem Leben gefolgt, ebenso das Lehramt, stärkte Schüller die Forderung mit einer historischen Einordnung. Heißt: weitermachen!

Zum Schwur kommt es bei den Bischöfen zum einen bei den nächsten Beratungen im Synodalen Weg, wo sie noch mehr Beschlüsse mit der qualifizierten Zweidrittelmehrheit verabschieden müssen. Zum anderen gilt es dann Diözese für Diözese nachzuhalten, welcher Bischof welche Beschlüsse umsetzt. Dann erst wird sich zeigen, ob die Demokratieverachtung vieler Bischöfe, die Joachim Frank immer wieder wahrnimmt, sich zu Gunsten verbindlicher Zusammenarbeit verabschiedet hat.

 



Abschließende Info

Die Podiumsdiskussion „Synodaler Weg: Aufbruch oder Sackgasse?“ am 9. Februar 2022 kann auf dem Youtube-Kanal der Bischöflichen Akademie Aachen nachgeschaut werden. Der Link lautet https://www.youtube.com/watch?v=YjWXuE11EKE.

Als Kooperationspartner engagierte sich bei dieser Veranstaltung das Katholische Forum für Erwachsenen- und Familienbildung Mönchengladbach und Heinsberg. Die Moderation leiteten Barbara Brockmann (Akademie) und Lucia Traut (Forum).