Von der Schreibmaschine zum digitalen Buchungssystem: Esther Schäffter blickt auf 30 Jahre Akademiegeschichte zurück

Esther Schäffter (c) Schmitter
Esther Schäffter
Datum:
Di. 21. Juni 2022
Von:
Interview mit Barbara Brockmann

Ein Gespräch zum Abschied

B: Seit wann arbeitest du in der Bischöflichen Akademie?

S: Ich arbeite seit 1992 hier, war aber sieben Jahre lang nicht in der Akademie, sondern in der Jugendbildung in Haus Eich. Als das Haus 2005 geschlossen wurde, bin ich wieder zurück in die Akademie gekommen.

B. Warst du froh wieder zurück zu kommen?

S: Ich muss schon sagen, ich habe echt geweint, als ich hier weg musste. Das ging damals nicht anders, weil ich eine 100%-Stelle haben wollte und die konnte man mir hier nicht anbieten. Ich habe mich sehr gefreut, als ich 2005 wieder zurück gekommen bin.

B: Erinnerst du dich noch an deinen allerersten Arbeitstag in der Akademie?

S: Ja, daran erinnere ich mich noch gut. Ich war damals für den Geschichtsverein des Bistums Aachen und für den Förderverein der Akademie eingestellt worden. Und ich hatte zunächst nur eine halbe Stelle. Der Dozent, der damals für den Geschichtsverein der Akademie zuständig war hatte mich an meinem ersten Arbeitstag schon so mit Arbeit zugedeckt, dass ich direkt länger geblieben bin. Am nächsten Tag hat er sich dann bei mir entschuldigt. Er hätte nicht gewusst, dass ich nur eine halbe Stelle habe.

B: In der langen Zeit als Mitarbeiterin der Akademie hast du wahrscheinlich viele Kolleg*innen und Kollegen kommen und gehen sehen, hast viele Veränderungen miterlebt. Was waren für dich die einschneidendsten Veränderungen.

S: Mit jedem neuen Kollegen, jeder neuen Kollegin gab es immer Veränderungen auf die man sich einstellen musste. Angefangen bei den Direktor*innen, ich habe zweimal einen Wechsel in der Leitung mitgemacht und jede*r war anders, jede*r hatte einen anderen Leitungsstil und andere Zielsetzungen. Als ich angefangen habe, hatten wir auch noch viel mehr Dozent*innen. Anfangs waren es ca. fünfzehn, allerdings gab es zu dem Zeitpunkt auch noch fünf Tagungshäuser. Leider musste die Akademie vier Tagungshäuser aufgeben.

Auch die Art und Weise wie wir gearbeitet haben, hat sich grundlegend verändert. Als ich hier angefangen habe, haben wir noch mit der Schreibmaschine geschrieben, denn den PC gab es noch nicht. Irgendwann wurde dann vom Förderverein der erste PC angeschafft. Ich erinnere mich noch, dass ich einmal zwei Stunden lang etwas geschrieben habe und plötzlich habe ich eine falsche Taste gedrückt und alles war weg. Ich hatte nichts zwischengespeichert, denn das Arbeiten am PC war noch fremd.

Als ich hier angefangen habe, da waren wir im Grunde Schreibkräfte. Wir haben alles diktiert bekommen, die Programme, die Durchführungsnachweise, Briefe etc. Wir durften weder Tagungen registrieren, noch Rechnungen schreiben. Die Teilnehmer*innen wurden in einem System gespeichert, welches sich Oase nannte. Teilnehmer*innenlisten mussten in der Poststelle zwei Tage vorher angefordert werden. 1996 wurde dann das Programm CD-Seminar eingeführt, was das Arbeiten erleichterte, wodurch aber andere Anforderungen an uns gestellt wurden. Die Arbeitsweise hat sich komplett verändert. Wir arbeiten heute selbstständig und haben unsere eigenen Aufgabenbereiche für die wir verantwortlich sind. Das macht natürlich auch vielmehr Spaß.

B: Dann hast du im Laufe der Zeit doch wahrscheinlich unglaublich viel gelernt. Von der Schreibmaschine zum digitalen Buchungssystem gewissermaßen.

S: Ja, das stimmt. Ich habe mich im Laufe der Jahre in viele neue Arbeitsweisen und Computerprogramme eingearbeitet.

B: Was ist heute deine offizielle Berufsbezeichnung?

S: Verwaltungskraft. Dafür habe ich allerdings kämpfen müssen.

B: Inwiefern?

S: Wir waren damals im Schreib- und Sekretariatsdienst eingestellt und ich bin dann irgendwann zur Stellenbewertungskommission gegangen und hab mich dafür eingesetzt, dass das geändert wird.

B: Und warst du erfolgreich?

S: Ja. Aber das war nicht ganz leicht, ich musste meinen Antrag ausführlich begründen und wurde dann auch zum Gespräch gebeten. Aber es hat geklappt. Wir haben ja, wie gesagt anfangs hauptsächlich Schreibarbeiten gemacht. Aber dann hat sich unser Tätigkeitsfeld erweitert. Wir sind heute für die Anmeldungen, die Kund*innenkontakte, die Honorarverträge, das Schreiben der Rechnungen, das Abrechnen mit der Bezirksregierung, den Kontakt zu Kooperanten und vieles andere zuständig. Wir sind einfach keine Sekretärinnen mehr.

B: Als Verwaltungsmitarbeiterin bist du die erste Ansprechpartnerin für unsere Kund*innen. Gab es Ereignisse oder Begegnungen, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

S: Die meisten Kontakte mit den Kund*innen sind einfach nett. Natürlich gibt es auch mal Konflikte, wenn wir nicht auf alles eingehen können, was die Teilnehmer*innen sich wünschen und das bleibt einem natürlich auch in Erinnerung. Ich habe aber auch ganz viele sehr persönliche Gespräche erlebt, dass mir die Teilnehmer*innen plötzlich ganz viele private Dinge erzählen. Man bekommt schon einen intensiven Kontakt mit einigen Kund*innen.

B: Wenn du in diesem Jahr in den Ruhestand gehst, wird dir der Abschied schwer fallen?

E: Auf jeden Fall. Ich freue mich sehr auf den Ruhestand. Ich habe 47 Jahre lang gerne gearbeitet und ich denke jetzt habe ich mir die Rente verdient. Aber natürlich wird es nicht einfach werden, mich hier zu verabschieden. Mir passiert es jetzt schon gelegentlich, wenn ich mit Kolleg*innen darüber spreche, dass ich bald nicht mehr da bin, dass meine Augen feucht werden.

Trotzdem freue ich mich auch. Ich werde immer wieder gefragt: Was machst du denn dann? Aber da habe ich gar keine Sorge. Ich werde viele Dinge machen, wo mir im Moment noch die Zeit zu fehlt, und freue mich auf neue Möglichkeiten, aber ganz einfach fällt mit der Abschied nicht.

B: Uns auch nicht. Liebe Esther, danke für das Gespräch!