Weihnachtsgruß aus der Akademie

Advents-Aktion
Advents-Aktion "Trotzdem Licht!"
Datum:
Di. 22. Dez. 2020
Von:
Christiane Bongartz
"Wir wünschen allen unseren Gästen, den Freundinnen und Freunden der Akademie, unseren KooperationspartnerInnen und allen, die mit uns zusammenarbeiten, ein frohes und schönes Weihnachtsfest und alles Gute für das Neue Jahr."
(c) BAK
Auf dem Bild: Licht in die Welt tragen. Konkret: Tag für Tag werden Fenster, liebevoll dekoriert, erleuchtete Adventsbilder gezeigt.

Weihnachtsnewsletter

präsent sein -  „hier bin ich du hast angerufen“


In diesem Gedichtvers von Ricarda Kiel aus Leipzig liegt momentan so vieles: Sehnsucht. Vermissen. Schmerz. Wut. Vielleicht auch Hoffnung. Denn es ist ja gerade derzeit nicht so, dass du anrufst und ich komme und wir sind dann beieinander –  gerade das geht nicht, das bleibt offen.


Dieser Vers löste bei mir ein Nachdenken über das Zugegen-Sein aus: „Präsenz“ verschränkt eine zeitliche Kategorie mit einer räumlichen Kategorie, nämlich die Gegenwart mit der Anwesenheit. Etwas oder jemand ist präsent, weil es jetzt da ist, also keine Zeit vergeht, bis es verfügbar ist.                                                                      

(Bild: "Trotzdem-Licht!"-Adventsfensteraktion der BAK)

Aber ist das alles? Geht es nur um Verfügbarkeit? 


Neben Präsenzbibliotheken und einer Präsenzkultur in der Arbeitswelt spielt gerade an Weihnachten Präsenz eine große Rolle. Bestimmte Menschen will man dann einfach um sich haben, und andere sind vielfach präsent, obwohl sie nicht mehr da sind, über prägende Erinnerungen. In ihrer Abwesenheit liegt seltsamerweise eine besonders schmerzliche Form der Präsenz.


Die Theologie spricht von Omnipräsenz, wenn es um Gott geht. Schon Augustinus versuchte hartnäckig, diese zu verstehen, dachte über die Präsenz Gottes in den Menschen nach. Wenn Jesus Christus in Brot und Wein gegenwärtig ist, spricht man von Realpräsenz.


Das klingt theologisch kompliziert, aber interessant bleibt, dass auch hier eigentlich beides gleichermaßen und gleichzeitig erfahrbar ist: 

Nah sein und fern sein. Präsent sein und fremd sein. Miteinander sein und allein sein. 

Auch bei unserer Suche nach Gott gibt es offensichtlich dieses Vermissen ebenso wie ein Verbunden-Sein. Immer auch Sehnsucht plus Hoffnung.


Vielleicht können wir dann aber wesentlich entspannter mit der Frage umgehen, ob wir leibhaftig irgendwo derzeit hingehen oder nicht. Selbstverständlich ist Präsenz notwendig, aber vielleicht können wir sie in einem anderen, weiteren Sinn denken. 

Vielleicht können wir auch abwesend irgendwo präsent sein. Vielleicht auf die Verbundenheit vertrauen, die bleibt.


Und nicht zu vergessen: Der Präsentierteller unserer Präsenz ist in diesem Jahr ohne Frage das Internet. Nicht nur hier, aber vor allem hier entstehen und leben Begegnung, Kultur, Gedanken, Ideen, Kontakt, das alles jederzeit verfügbar und überall verfügbar. Nahtlos für alle. Synchron und asynchron. Orts- und zeitunabhängig. Für mehr Teilhabe, für mehr Partizipation.


Insofern bin ich – trotz aller Wut über das tödliche Virus, trotz allen schmerzlichen Vermissens von Ihnen und aller nicht geschehenen Begegnungen in unserer Akademie - dankbar für einen echten Mehrwert als Begleiterscheinung dieser Pandemie: die Erweiterung des Präsenzbegriffs.


Falls Sie es noch nicht tun: Zögern Sie nicht und greifen Sie, wenn es irgendwie geht, auf die Begegnungsmöglichkeiten zu, die Ihnen die Digitalität bietet. Werden Sie sichtbar, nutzen Sie die Möglichkeiten, einander in dieser Form zu begegnen, zu lernen und zu leben.


„hier bin ich du hast angerufen“.


Frohe Weihnachten (auch im Namen aller MitarbeiterInnen der Akademie)
Dr. Christiane Bongartz

Akademiedirektorin