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Euregionale Ökumenische Konferenz - 28. März 2025 in Eupen:Christsein an der Grenze

Vier Personen auf einem Podium, in der Mitte die Moderatorin mit Mikrophon.
Im Dreiländereck zwischen Aachen, Eupen und Maastricht gingen 32 Teilnehmende verschiedenen Fragestellungen zum Thema „Christsein an der Grenze“ nach. Dabei ging es vor allem um die großen Herausforderungen, vor denen die Kirchen und die Politik stehen.
Datum:
1. Apr. 2025
Von:
Angela Reinders

von links nach rechts: Kris de Brabander OPraem (Tongerlo), Jorge Castillo Guerra (Assistenzprofessor, Nijmegen), Angela Reinders (Bischöfliche Akademie), Patricia Creutz-Vilvoye (Parlamentspräsidentin Ostbelgien),  Theo Bovens (Fraktionsvorsitzender der CDA, Maastricht)

Wird das Christentum in Europa in der Zukunft noch eine Rolle spielen? 

Kris de Brabander, Prior der Abtei unserer Lieben Frau von Tongerlo und Dozent am Priesterseminar Rolduc, machte in einem historischen Abriss deutlich, dass der christliche Glaube für die Entstehungsgeschichte von Europa eine entscheidende Rolle gespielt hat. Verschiedene Faktoren, die ihre Wurzeln in der Aufklärung im 17. Jahrhundert haben, führten aber dazu, dass die Kirche im öffentlichen Leben an Einfluss verloren hat. Er benannte drei Herausforderungen für unsere Zeit: 
1. Die Kirchen haben die Aufgabe, wie in der Charta Oecumenica formuliert, stärker zusammenzuarbeiten und gemeinsam das Evangelium in der Welt zu verkündigen. 
2. Es ist wichtig, dass Christen als Salz der Erde und Licht der Welt in allen Teilen der Gesellschaft „so aktiv und sichtbar wie möglich präsent sind.“ 
3. Kirche erlebt zunehmend, dass sie ausgegrenzt wird. Die Folge sollte nicht sein, dass sie sich aus der Öffentlichkeit zurückzieht, sondern Gläubige stärkt, „stolz auf ihren christlichen Glauben zu sein“. Am Schluss seines Vortrages ermutigte de Brabander „die Christen in Europa, füreinander und für andere ein Leuchtfeuer der Hoffnung zu sein.“

Patricia Creutz-Vilvoye, Präsidentin des Parlaments der Deutschsprachigen Gemeinschaft in Belgien, begann ihren Vortrag mit einer klaren Antwort auf die ihr gestellte Frage: „Spielen Christinnen und Christen in Europa noch eine Rolle?“ Sie antwortete: „Ja, sie sind mehr als relevant.“ Als Mitglied der deutschsprachigen Christlichen Sozialen Partei (CSP) werde sie immer wieder gefragt, ob das „C“ im politischen Namen noch zeitgemäß sei. Für sie ist das „C“ keine Modeerscheinung, die sich nach dem Zeitgeist richtet, sondern ein Merkmal und eine Aufgabe, für die damit verbundenen Werte einzutreten und die Demokratie zu stärken. Christliche Werte bieten eine Alternative zu radikalisierten Strömungen. Die Kirchen sollten daher in die Gesellschaft ihre Werte einbringen, z.B. die Menschenwürde und Gleichbehandlung von Menschen. Solche christlich begründeten Werte tragen zur Demokratie bei. Creutz-Vilvoye betonte die Wichtigkeit von verschiedenen bestehenden Institutionen, ohne die es keine Demokratie geben könne. Das „C“ und damit die Besinnung auf die Würde des Menschen bleibt daher auch in Zeiten des allgegenwärtigen Umbruchs relevant.

Brücken bauen als Chance

In einer Arbeitsgruppe erzählte Theo Bovens, Fraktionsvorsitzender der niederländischen Partei Christen Democratisch Appel (CDA) in der Ersten Kammer der Generalstaaten und Vorsitzender der Organisation der Heiligtumsfahrt von Maastricht, von der Geschichte und der Bedeutung der anstehenden Heiligtumsfahrt rund um St. Servatius. Bei den Planungen muss immer wieder eine Balance zwischen Tradition und Event gefunden werden. In der Verknüpfung von beidem liegt eine große Chance, Brücken zu bauen zwischen Menschen, die dem Glauben nahe und ferner stehen. Er erinnerte an die wichtige Funktion von Brücken in Europa: Brücken zu bauen sei eine Aufgabe von Christen und Christinen in der Nachfolge Jesu.

Eine weitere Arbeitsgruppe mit Dr. Jorge Castillo Guerra, Assistenzprofessor für empirische und praktische Religionswissenschaft an der Radboud-Universität Nijmegen, diskutierte über die Bedeutung von Migrantenkirchen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. In ihnen spielen christliche Zuwendung, praktische Hilfe und Gastfreundschaft eine große Rolle. Die Migrantenkirchen sind stark geprägt von der Feier des Gottesdienstes und einer solidarischen, familiären Gemeinschaft. Menschen werden hier nicht als zweitrangige Bürger, sondern gleichwertig behandelt. Migrantenkirchen können in einer zunehmend weniger offenen Gesellschaft ein Vorbild sein für eine menschenwürdige Migrationspolitik.

Optimistischer Blick in die Zukunft

Am Ende der Konferenz bat Dr. Angela Reinders, Direktorin der Bischöflichen Akademie des Bistums Aachen, alle Referierenden anhand gezielter Fragen um ein Schlusswort. De Brabander stellte fest, dass einige kirchliche Traditionen aufhören und sich die Rolle der Kirchen in der Gesellschaft verändert habe, aber er sieht sie in Gottes Händen und damit auch weiterhin beauftragt, sichtbar zu sein. Nochmals ermutigte er dazu, für den christlichen Glauben einzustehen.

Guerra resümierte aus seiner Arbeitsgruppe, dass das europäische Christentum über Jahrhunderte hinweg daran gewohnt war, Missionare auszusenden und anderen etwas zu geben. Nun müssen europäische Christen und Christinnen lernen, anzunehmen, was Migrantenkirchen ihnen bringen und geben. Sie erfüllen das wichtige Bedürfnis der Menschen nach Gemeinschaft und gemeinsamer Feier, was den Zusammenhalt untereinander fördert, aber auch in unsere Gesellschaft und Kirchen hineinwirken kann.

Creutz-Vilvoye wies auf den bewährten Bürger-Dialog hin und wie wichtig es sei, sprachliche und gesellschaftliche Hürden zu überwinden und für alle Bürger und Bürgerinnen politisch aktiv zu sein und dabei die gemeinsamen Werte der Religionen zu vertreten. Das „C“ im Namen politischer Parteien hält sie für unverzichtbar.

Bovens blickte optimistisch in die Zukunft. Die Heiligtumsfahrt in Maastricht sei ein Beispiel dafür, dass die Kirchen lebendige Glaubensgeschichten zu erzählen haben, und er formulierte ein passendes Schlusswort an die Konferenzteilnehmenden: „Lasst in der Welt sehen, dass Ihr Christen und Christinnen seid.“

Text: Pfarrerin Bärbel Büssow