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Schriftstellerinnen und Schriftsteller und ihre Bücher in der DDR:„Unvollendete Geschichte“

Mit der Literatur der DDR sind große Namen verbunden: Anna Seghers, Christa Wolf, Brigitte Reimann, Heiner Müller, Günter de Bruyn oder Christoph Hein – Autorinnen und Autoren, die auch im Westen zu einiger Berühmtheit gelangten. Andere Namen sind weniger bekannt. Wer kannte oder kennt die in der DDR überaus populären Autorinnen und Autoren Otto Gotsche, Max Walter Schulz oder Werner Heiduczek? Wer liest heute Franz Fühmann, Erwin Strittmatter, Hermann Kant oder Herbert Otto?
Datum:
Freitag, 5. Mai 2023 19:00 - Samstag, 6. Mai 2023 19:30
Art bzw. Nummer:
A 36078
Ort:
Bischöfliche Akademie Aachen
Leonhardstraße 18-20
52064 Aachen

Im Seminar beschäftigen wir uns mit den Schriftstellerinnen und Schriftstellern in der DDR, mit ihrem Schreiben unter den Bedingungen einer restriktiven Kulturpolitik und Zensur. Wie prägte das ihre Biographien und ihr literarisches Werk? Vor allem: Welche Spuren davon finden sich in ihren Büchern?

Literaturgeschichte ist immer auch eine Gesellschaftsgeschichte. Das gilt in besonderem Maße für die Literatur der DDR, in der die Bedingungen ihres Entstehens, das Schreiben, ihre Formen und ihre Wirkung mit einer kulturpolitischen Programmatik verbunden waren. Ein genauer Blick auf die Werke kann also dabei helfen, Staat und Gesellschaft der DDR besser zu verstehen, die unterschiedlichen Phasen der Literaturproduktion und ihre kulturpolitischen Hintergründe zu erläutern und im ein oder anderen Fall zur Lektüre zu animieren.

Die Annäherung an die Literatur der DDR erfolgt schrittweise.

Der Einstieg ins Thema erfolgt mit dem Film  „Der geteilte Himmel“, der 1964 auf der Grundlage des Buches von Christa Wolf von der DEFA produziert wurde. Danach erfolgt ein Gespräch über den Film und ein erster Austausch über Leseerfahrungen mit Autorinnen und Autoren der DDR.

Der zweite Tag beginnt dann mit der „Stunde Null“ und mit den Weichenstellungen, die in der frühen Phase der Sowjetischen Besatzungszone bzw. DDR gestellt wurden. Unter anderem wird die Programmatik des „Bitterfelder Weges“ erläutert und auf zentrale Werke der antifaschistischen Literatur verwiesen. Auch die Gründung und Entwicklung des Aufbau Verlages wird eine Rolle spielen.

In den 1950er- und frühen 1960er-Jahren beginnt eine neue Zeit in der Literatur der DDR, die durch enorme Produktivität und eine inhaltliche Offenheit gekennzeichnet war. Diese Phase steht für einen literarischen Aufbruch und eine kritische Auseinandersetzung mit den programmatischen Utopien und der gesellschaftlichen Wirklichkeit.

Dieses eher liberale Klima in der Kulturpolitik änderte sich fundamental mit der „11. Tagung des ZK der SED“ im Dezember 1965, dem sogenannten „Kahlschlagplenum“. Walter Ulbricht reagierte auf diesem Plenum auf die freie, kritische und experimentelle Kulturbewegung der Jahre zuvor und sagte dieser mit einer harschen Kulturkritik den Kampf an. Dieses „Kahlschlagplenum“ bedeutete eine tiefe Zäsur in der Geschichte der DDR und ihrer Literatur.

Eine ähnlich tiefe Zäsur bedeutete die Ausbürgerung Wolf Biermanns einige Jahre später. In diesem Zusammenhang lässt sich die Rolle von Zensur und Stasi darstellen und auf die Arbeit der Schriftsteller beziehen.

Mit dem Blick auf die Werke der 1980er-Jahre, die durch die Friedens- und Umweltbewegung inspiriert waren, endet das Seminar. Geplant ist darüber hinaus eine Lesung mit Schauspielerinnen und Schauspielern des Theaters Aachen am Samstagabend.

Damit sich im Seminar möglichst anregende Zwiegespräche und Diskussionen ergeben, werden folgende Bücher zur vorherigen, gemeinsamen Lektüre vorgeschlagen:

  • BRUYN, Günter de: Märkische Forschungen: Erzählung für Freunde der Literaturgeschichte
  • HEIN, Christoph: Horns Ende
  • REIMANN, Brigitte: Franziska Linkerhand
  • STRITTMATTER, Erwin: Ole Bienkopp
  • WOLF, Christa: Der geteilte Himmel

Die Teilnahme ist natürlich auch ohne vorheriges Lesen möglich. Es kommt nicht auf die Ausgabe an, sämtliche Bücher der Liste sind aktuell auch als Taschenbuch verfügbar.

Programmablauf (Änderungen vorbehalten)

Freitag:

19:00 Uhr Beginn des Seminars mit Film
22:00 Ende des ersten Tages

 

Samstag:

08:00 Uhr Frühstück für Teilnehmende mit Übernachtung
08:45 Uhr Stehkaffee
09:00 Uhr Seminar
12:30 Uhr Mittagessen und Pause
13:30 Uhr Seminar
15:00 Uhr Kaffeepause mit Kuchen
15:30 Uhr Seminar
17:30 Fingerfood
18:00 Lesung (geöffnet für Teilnehmende, die nicht am Seminar teilnehmen)
19:30 Ende des Seminars und der Lesung

Organisation

Veranstalter:
Bischöfliche Akademie des Bistums Aachen

Mit freundlicher Genehmigung des Aufbau Verlags, Berlin


Leitung:
Martin Stankewitz-Sybertz

Referenten:

Michael Helle, Regisseur, geboren 1952 in Großschönau, aufgewachsen in Jonsdorf (Oberlausitz). Abitur an der Erweiterten Oberschule Zittau. Studium der Theaterwissenschaft an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig. In den 1980er-Jahren Hausregisseur an den Bühnen der Stadt Gera und am Kleist-Theater Frankfurt (Oder). 1987 Antrag auf Ausreise aus der DDR, 1989 Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland. 1990 bis 1996 freier Regisseur u. a. In Mainz und Darmstadt. 1996 bis 1999 Schauspieldirektor am Staatstheater Mainz. 2000 bis 2005 Schauspieldirektor am Theater Aachen. In dieser Zeit auch erste Arbeiten als Opernregisseur. Seit 2005 freier Regisseur u.a. am Staatstheater Darmstadt, Schauspiel Bonn, Landestheater Tübingen, Staatstheater Oldenburg, Theater Osnabrück, Opernfestspiele Heidenheim, Theater Regensburg, Theater Aachen. Seine jüngsten Inszenierungen am Theater Aachen waren: Miller „Alle meine Söhne“, Albee „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“, Horvath „Kasimir und Karoline“, Verdi „Don Carlo“, Janacek „Jenufa“.

Markus Kriener, Buchhändler, geboren 1963, aufgewachsen in Herne im Ruhrgebiet, mitten im Kalten Krieg. Keinerlei Ost-Kontakt. Er kennt die DDR nur aus Büchern. Arbeitet als angestellter Buchhändler in der Buchhandlung M. Jacobi’s Nachfolger in Aachen. Seit vielen Jahren stellt er in der Bischöflichen Akademie bei den Veranstaltungen „Bücherfrühling“ und „Bücherherbst“ ausgewählte Neuerscheinungen der Saison vor. Ab und an schreibt er Buchbesprechungen für die Buchseite der Aachener Zeitung.

Kosten

Den Teilnahmebeitrag zahlen Sie bitte bei Ankunft an unserer Rezeption
- bar oder per EC-Karte

57,00 € / 46,60 €* Tagungsbeitrag, Vollverpflegung
84,40 / 69,40 €*  Tagungsbeitrag, Vollverpflegung, Doppelzimmer
94,40 / 79,90 €*  Tagungsbeitrag, Vollverpflegung, Einzelzimmer

* Die Ermäßigung gilt für Schüler:innen, Studierende und Auszubildende sowie Empfänger:innen von Grundsicherung und Arbeitssuchende. Bitte legen Sie einen Nachweis zu Beginn der Veranstaltung vor.

Anmeldung

Bitte melden Sie sich über den Anmeldebutton auf dieser Seite an, bei Rückfragen kontaktieren Sie gerne:

Anne Schoepgens
0241 47996-25
anne.schoepgens@bistum-aachen.de 

Bischöfliche Akademie
Leonhardstraße 18-20
52064 Aachen

Anmeldefrist: 01.05.2023

 

Es gibt noch freie Plätze

Anmeldung zu einer Mehrtagesveranstaltung

Das Geburtsdatum wird nur für Prüf- und statistische Zwecke nach dem Weiterbildungsgesetz NRW verwendet.

 

Übernachtung und Verpflegung

 

Ermäßigung

Bitte legen Sie einen Nachweis bei Anreise vor.

 

Bemerkungen

 

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